Die beste Grüne Liste aller Zeiten

Mit dem 41. Bundeskongress am Samstag haben die Grünen ihre Listen für die Nationalratswahlen nun fertig erstellt.

Hier ein paar Gründe, warum ich ehrlich denke, dass das die beste Liste aller Zeiten ist.

Geschlossenheit statt Konkurrenzkampf

2017 war ein hartes Jahr für die Grünen: Der Ruf nach mehr linkem Populismus aus den eigenen Reihen, das konkurrierende Antreten der Jugendorganisation gegen die eigene Liste bei den ÖH-Wahlen samt anschließendem Ausschluss, die Nicht-Wahl bzw. Rückzug von Peter Pilz, Wolfgang Zinggl und Bruno Rossmann, die parteiinterne Diskussion um ein Hochhaus und vieles mehr …

Es wurde sichtbar wie nie zuvor: Da läuft nicht alles rund bei den Grünen, da gibt es ein Gegeneinander, kein Miteinander.

Und nun zwei Jahre später kann man sagen: Der Neuanfang ist geglückt. Aus den Fehlern von einst hat man gelernt und es ist bemerkenswert wie dieses neue Miteinander förmlich spürbar wird:

Schon bei der Listenerstellung für die Europawahl kam es zu solidarischen Akten. Olga Voglauer etwa, die ursprünglich geplant hatte, auf Platz drei zu kandidieren, verzichtete zugunsten von Monika Vana und kam schließlich auf Platz 5.

Auch am Samstag zeigte sich Ähnliches: Nina Tomaselli zog ihre Kandidatur für Platz 4 kurzerhand zurück, ebenso wie Janick Koder von den Piraten, der sich auf der Bühne offen für die Wahl seiner Kollegin aussprach.

Und zumindest bislang ist nicht von Bestrebungen zu hören, neue Parteien zu gründen – schließlich scheinen alle mit der gewählten Liste zufrieden und sehen sie als das, was sie ist: als Team – und das ist ziemlich weiblich.

The future is female

Der neue Klub wird wohl, abhängig von der genauen Mandatszahl, zu rund 2/3 aus Frauen bestehen. In Wien wurden auf den ersten acht Listenplätzen gleich sechs Frauen gewählt – aufgrund des Wahlmodus mehr oder minder unbeabsichtigt.

Das ist sehr erfreulich und ein starkes Zeichen an alle Frauen, das zeigt: Politik ist längst keine reine Männersache mehr, sondern etwas, dass Frauen (mindestens) genauso gut können wie Männer.

Die Grünen werden einmal mehr jene Partei sein, die den höchsten Anteil an Frauen in ihren Reihen hat und das passt gut:
Österreich hat seine erste Bundeskanzlerin und zum ersten Mal in seiner Geschichte ein Kabinett, dass auch gleich vielen Frauen wie Männern besteht.
Bundespräsident Van der Bellen sagte bei der Angelobung völlig richtig: „In Zukunft wird niemand mehr sagen können, ‚Es geht leider nicht.'“

Es gibt genug kompetente Frauen in der Politik und auch andere Parteien wären gut beraten, diese ins Parlament zu holen, wo Frauen sich selbst repräsentieren können.

Selbstbestimmung ist wichtig und in einer Demokratie unerlässlich und nicht umsonst auch einer der grünen Grundwerte.

Prominente QuereinsteigerInnen aus allen Bereichen

Ob Leonore Gewessler von Global 2000, Lukas Hammer von Greenpeace, die Journalistin Sibylle Hamann, die ehemalige Rektorin der Akademie der bildenden Künste und Präsidentin der österreichischen Universitätskonferenz oder die Bloggerin und Umweltaktivistin Madeleine Alizadeh, aka dariadaria – die Grüne Liste für die Wahlen zum Nationalrat ist 2019 voll von sogenannten QuereinsteigerInnen, die nicht die klassische politische Karriere zurückgelegt haben.

Für mich ein bemerkenswerter Schritt der Öffnung und auch ein Abbild der gegenwärtigen politischen Lage: Es geht wieder Aufwärts mit den Grünen und es ist keine Schande, sich öffentlich zu den Themen und Inhalten der Partei zu bekennen. Aus allen Teilen der Gesellschaft kommen Leute zusammen, die ähnliche Ziele verfolgen und auch bereit sind, öffentlich dafür einzustehen.

Die mehr oder weniger prominenten QuereinsteigerInnen von außerhalb werden in verschiedenen Bereichen sehr viel Erfahrung und Expertise ins Parlament bringen und den Nationalrat insgesamt aufwerten.

Kompetenz auf allen Ebenen

Aber nicht nur die QuereinsteigerInnen, sondern auch die anderen KandidatInnen bringen viel Kompetenz mit:

Ein Gerichtssachverständiger für Veterinärwesen und Tierschutz, eine Biobäuerin und Agrarexpertin, ein Rechtsanwalt für Asyl- und Verfassungsrecht, ein Ökonom und Gewerkschafter und viele viele mehr.

Ein Klub der klugen Köpfe wartet auf die Wählerinnen und Wähler. Politikerinnen und Politiker, die nicht nur reden, um zu sprechen, sondern weil sie etwas zu sagen haben und über die Materie auch Bescheid wissen.

Alte Hasen – neue Gesichter

Der neue Klub wird altbekannte und schon erfahrene Gesichter ins Parlament (zurückbringen), etwa Werner Kogler, Sigi Maurer, Ewa Dziedzic aus dem Bundesrat oder Michel Reimon, der bislang im Europaparlament tätig war. Mit Astrid Rössler kommt zudem eine landdienende und erfahrene Landespolitikerin in den Nationalrat.

Neben den zahlreichen Neuzugängen, die zum Teil erstmals auf Bundesebene politisch tätig werden stehen auch viele neue und auch junge Gesichter auf der Liste, die im Wahlkampf und wohl auch danach sichtbar sein und ihrer Generation eine Stimme leihen werden.

Eine gute Mischung, das ist sicher. Eine junge Politikerin, die einen Platz auf der grünen Liste gefunden hat, kommt gar aus einer anderen Partei:

Gemeinsam neue Wege gehen

Mit Maria Chlastak und Janick Koder haben sich am Samstag auch zwei Piraten auf der grünen Bundesliste beworben. Maria Chlastak wurde schließlich auf den zehnten Listenplatz gewählt. Damit kandidiert nun eine fundierte Netzpolitikerin für die Grünen und bringt wichtige Themen in den Wahlkampf ein.

Wenn die Mitgliederversammlung der Piratenpartei das auch will, machen die grün und violett bei dieser Wahl gemeinsame Sache: Was auf dem Fußballplatz unvorstellbar wäre, ist in der Politik längst Usus geworden. Immerhin sitzen Grüne und Piraten schon seit langem im Europaparlament in derselben Fraktion – warum nicht auch im Nationalrat?

Jedenfalls freue ich mich sehr über diese Allianz – es ist ein schönes Zeichen, dass wir links der Mitte, auch wenn es hie und da Unterschiede geben mag, unsere Kräfte bündeln können, um gemeinsam für das große Ganze zu kämpfen.

Eine Liste alleine ist nicht alles, aber ohne eine gute Liste ist eine Partei nichts. Auch wenn sich medial vieles auf den Spitzenkandidaten zuspitzt, zeigen die Grünen eindrucksvoll auf, dass es eben nicht um eine One-Man-Show im Wahlkampf geht, sondern darum, fünf Jahre lang wichtige parlamentarische Arbeit zu leisten.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s