25 Stunden, 45 Minuten

„Kann sein, dass morgen Österreich brennt“, kündigte Jan Böhmermann am Mittwoch Abend an und so kam es dann auch.

Um Punkt 18:00 Uhr veröffentlichten Der Spiegel und die Süddeutsche Zeitung jenes Video mit Heinz-Christian Strache und Johann Gudenus, das ein politisches Erdbeben in Österreich auslösen sollte.

Wir wissen aus Medienberichten, dass Sebastian Kurz dieses Video schon 48 Stunden vor Veröffentlichung kannte. Er ließ Österreich und seine Bevölkerung bewusst zwei Tage lang im Unklaren.

Und selbst als sich das Video längst wie ein Lauffeuer verbreitet hatte und Strache zurückgetreten war, sagte Kurz nichts.

Inzwischen ist klar: Kurz wollte die türkis-blaue Zusammenarbeit fortführen, den schädlichen „Reformkurs“ weiter durchziehen, seine Koalition retten und sich auch noch aus der Verantwortung stehlen.

Während Kurz mit sich selbst haderte, Gespräche mit seinen Beraterinnen und Beratern führte und politische Möglichkeiten abwog, harrten Zehntausende auf dem Wiener Ballhausplatz aus, demonstrierten gegen diese Regierung und forderten eine Ende des Spuks.

Message Control in slim fit

Erst um 19:45 Uhr äußerte sich Kurz endlich und erklärte sich der Bevölkerung. Dreiviertel Acht, genau während der ZiB 1, beste Sendezeit. Kurz tritt perfekt gestylt im Slimfit-Anzug vor die Weltöffentlichkeit und verkündet, man könne so nicht mehr weitermachen. Er gibt sich schockiert, hätte so etwas ja nie erwartet, eh schon wissen. Tränen fließen (gerade) nicht, aber staatstragend gibt er sich. Message Control eben.

Erstaunlich:

Kurz bedankt sich zu Beginn seines Statements in aller Länge für die Zusammenarbeit bei allen Mitgliedern der Bundesregierung. Er erwähnt, wie auch schon Strache zuvor, namentlich Tal Silberstein und bringt ihn zumindest gedanklich mit dem Video in Verbindung. Kurz verliert auch kein einziges Wort über das Video an sich, fordert keine Aufklärung – erst am Tag danach spricht er dazu.

Und besonders perfide:
Kurz gibt sich selbst als Opfer. Die zahlreichen Einzelfälle der FPÖ – namentlich nennt er sogar das unlängst veröffentlichte Rattengedicht – habe er ertragen müssen. Er.

Nicht etwa Asylwerberinnen und Asylwerber, Musliminnen und Muslime, Arbeitslose, Linke, Andersdenkende, Medienvertreterinnen und -vertreter, Empfängerinnen und Empfänger der Mindestsicherung und viele andere wurden in den letzten Jahren Opfer des Hasses und der Denunziation der FPÖ, nein. Er, Sebastian Kurz musste all das – zeitweise stumm – ertragen, wofür er sich selbst verantwortlich zeichnet.

Wir brauchen einen Staatsmann

Österreich hat diese Regierung nicht verdient. Aber Sebastian Kurz hat sie uns trotzdem beschert.

Statt selbst als Bundeskanzler abzudanken und den Weg frei für echte Aufklärung und einen wirklichen politischen Neuanfang zu machen, regiert er weiter – mit jener FPÖ, die die Heimat, für die sie ja so sehr einsteht, verkaufen und verscherbeln will.

Österreich wurde mit einem Schlag in eine Regierungskrise gestoßen. Das Land braucht jetzt einen Staatsmann an seiner Spitze, keinen macht- und postengeilen Politiker.

Die Intitiatorinnen und Initiatoren der do!-Demos haben es in einer Reaktion richtig zusammengefasst:

“Wir gehen bis Basti geht!”

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