Pilz hat nichts gelernt

Peter Kolba, Noch-Klubobmann der Liste Pilz, verkündete heute auf einer Pressekonferenz, dass ihr Parteigründer und Namensgeber Peter Pilz, bald wieder im Nationalrat sein werde.

Er kehrt in die Politik zurück. Und zwar sofort. (…) Er will sein Mandat auch wieder annehmen. (…) Und der Klub wird jetzt zu besprechen haben, wie wir das ermöglichen. (…) Wir werden einen Prozess einleiten, wo wir schauen, wer letztlich auf sein Mandat verzichtet, damit Peter Pilz in den Nationalrat zurückkehren kann.

Peter Kolba
14. Jänner 2017

Das heißt das nun mit Martha Bißmann, die über die steirische Landesliste in den Nationalrat eingezogen war, nun ausgerechnet eine Frau ihr Mandat zu Gunsten von Peter Pilz, dem mehrfache sexuelle Belästigung vorgeworfen wird, zurücklegen könnte.

Wenn Peter Pilz dann in den Nationalrat zurückkehrt, wird es sein, als habe er Urlaub genommen und darauf gewartet, dass der Zug der medialen Berichterstattung weiterfährt.

Der Fall Pilz zeigt, welche karriereschädigenden Auswirkungen Vorwürfe der sexuellen Belästigung für Männer haben: Nämlich gar keine!

Aber so geht es nicht. Ich erwarte mir eine lückenlose Aufklärung und Auseinandersetzung mit diesen Vorwürfen, die strafrechtlich relevant sind. Es kann nicht sein, dass Pilz spurlos an diesen Dingen vorübergeht und zur Tagesordnung übergeht, als wäre nichts passiert.

Sexuelle Belästigung ist ein ernstes Thema, das echte Konsequenzen nach sich ziehen muss.

Pilz‘ Anhänger selbst sprachen damals aber von einer „medialen Hexenjagd“, was die ganze Sache seiner Rückkehr in den Nationalrat nur noch perverser macht:
Wenn einem Mann sexuelle Belästigung vorgeworfen wird, sprechen wir von „Rufschädigung“ oder einer „Hexenjagd“ und tun die Vorwürfe ab. Wenn eine Frau es wagt, ein Foto mit Mittelfinger zu posten, wird sie medial derart fertig gemacht und niedergeschrieben, dass man sich fragt, in welchem Land wir hier leben.

Und ja, diese Frage stelle ich mir wirklich:
Wie kann es sein, dass jemand, der Frauen begrapscht haben soll, und nichts – aber auch gar nichts – zur Aufklärung dieser Vorwürfe beiträgt oder auch nur einen Funken von Reue zeigt, nun einfach so, von heute auf morgen wiederkommen darf, ohne dass es einen Aufschrei gibt?

Angesichts der Tatsache, dass erst vor wenigen Tagen hunderte prominente Frauen aus Film- und Showbusiness bei der Verleihung der Golden Globes ein starkes Zeichen gegen sexuelle Belästigung, Missbrauch und für Gleichberechtigung gesetzt und mit #TimesUp eine neue Initiative ins Leben gerufen haben, ist Peter Pilz‘ Rückkehr in die Spitzenpolitik ein echter Skandal und all jenen ein Schlag in Gesicht, die bereits sexuell belästigt wurden.

Bleibt nur zu hoffen, dass Time’s Up auch für Pilz gilt und seine Zeit in der Politik angesichts dieser schweren, unaufgeklärten Vorwürfe ein jähes Ende findet.

 

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